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Die Geschichte der Feuerwehrscheune

Dem Gesetze nach sollte es keineswegs zu den Aufgaben einer Freiwilligen Feuerwehr gehören, daß deren Mitglieder neben der freiwilligen Ausbildungs- und Einsatztätigkeit auch noch Leistungen erbringen, die dazu beitragen, die materielle Basis der Wehr sicherzustellen, also der Anschaffung und Erhaltung der Ausrüstung, der Unterbringung derselben und um die Kosten des Dienstbetriebes zu decken. Dafür hat laut diesem Gesetz die öffentliche Hand, also die Gemeinde, die notwendigen Geldmittel aufzubringen.


Die Realität sieht allerdings anders aus. Damit der Standard der Ausrüstung und der Einsatzfahrzeuge mit den stetig wachsenden Anforderungen der Einsätze in genügendem Ausmaß Schritt halten kann, ist es immer wieder notwendig, die von der Gemeinde zugeteilten Geldmittel durch eigene Aktivitäten zu vermehren. Dasselbe gilt für die laufenden Kosten des Dienstbetriebes, sowie die Erhaltung und den fallweise notwendigen Ausbau des Feuerwehrhauses. Die Feuerwehr Unterwaltersdorf hat sich im Laufe der Jahre sogar fünf der letzten sieben Einsatzfahrzeuge selbst finanziert.
Die Freiwilligen Feuerwehren im allgemeinen haben seit jeher die örtlichen und regionalen Gepflogenheiten von Veranstaltungen genutzt, um solche Geldmittel zu beschaffen. Bei der Feuerwehr Unterwaltersdorf waren dies traditionellerweise die Veranstaltung der jährlichen Feuerwehr-Bälle, Gründungsfeste, vor Jahrzehnten auch verschiedene Tanzkränzchen, Erntedankfeste, ja sogar drei großangelegte Tombolas am Hauptplatz, damals noch ohne Parkanlage, mit mehreren tausend Besuchern.
Im Jahr 1975 „erfand" die Feuerwehr Unterwaltersdorf etwas bisher noch nicht Dagewesenes :

Die Scheunenfeste.
Die Feuerwehr ergriff dabei die Chance, eine seit Jahrzehnten nicht mehr gebrauchte Scheune auf dem Grundstück der Familie des Feuerwehrmitgliedes Willi Widhalm, wo auch deren Wohnhaus steht, nutzen zu dürfen. Ein immenser Arbeitaufwand war notwendig, um das Gebäude für die kommenden Scheunenfeste zu adaptieren. Daß das Scheunenfest dann im Laufe der folgenden drei Jahrzehnte zum Mittelpunkt der Veranstaltungskalender der Region - auch darüber hinaus - ausgebaut werden konnte, war das Ergebnis eines sich alljährlich wiederholenden Arbeitseinsatzes der gesamten Feuerwehr in den Wochen davor und einer perfekten Organisation seitens des Feuerwehr-Kommandos, wodurch diese Veranstaltung von Jahr zu Jahr attraktiver wurde.
Adäquat zur Entwicklung der Scheunenfeste entwickelte sich auch der Finanzhaushalt der Feuerwehr und der daraus resultierende gute Ausrüstungsstand. Dies gilt vor allem für die ausreichende Ausstattung mit Atemschutzgeräten, Funkgeräten, Notstromerzeuger, die kostspielige Einsatzbekleidung und vieles mehr. Alles Ausrüstungen, ohne die wirkungsvolle Einsätze heute nicht mehr vorstellbar wären.
Auch waren es hauptsächlich die Erträge der Scheunenfeste, die es uns ermöglichten, den Bau des Feuerwehrhauses in den Jahren 1982 bis 1984 und den Erweiterungsbau in den Jahren 1997 und 1998 mitzufinanzieren und die gesamte Innenausstattung mit eigenen Mitteln anzuschaffen.
Das erfolgreiche Aufrechterhalten der Feuerwehrjugend seit dem Jahre 1985, aus der sich seither kontinuierlich unser Nachwuchs rekrutiert, erfordert immer wieder einen nicht unbeträchtlichen Aufwand.
Für die jährlichen laufenden Kosten des Dienstbetriebes und den kleineren Anschaffungen stellen sich derzeit unsere Finanzen so dar, daß die Feuerwehr von dem rund 30.000,- € umfassenden Budgetvoranschlag an die Gemeinde etwa 25 % ( 7.800,- € ) davon als Subvention erhält. Den Fehlbetrag ist die Feuerwehr gezwungen, selbst zu erwirtschaften durch Spenden, Beiträge der Unterstützenden Mitglieder und durch ihre Veranstaltungen, vor allem der Scheunenfeste.
Aufgrund dieser Gegebenheiten war es also ein Schock, zu erfahren, ab dem Jahre 2005 das Scheunenfest auf dem privaten Grundstück der Familie ( inzwischen Familien ) Widhalm nicht mehr veranstalten zu dürfen. Diese Entscheidung war zu akzeptieren. Gleichzeitig war auch klar, daß damit ein beträchtlicher Teil unserer finanziellen Basis nicht mehr gegeben war und es stand die Entscheidung an, in Zukunft von der Gemeinde mehr Geldmittel fordern zu müßen oder eine Voraussetzung zu schaffen, die uns die Möglichkeit gibt, die Tradition der Scheunenfeste zu erhalten. Beschlossen wurde letzteres. Nicht zuletzt deswegen, weil es von jeher nicht dem Stil der Feuerwehr Unterwaltersdorf entspricht, für alles und jedes an Ausgaben die Gemeindekasse zu belasten, sondern zuerst nach eigenen Möglichkeiten zu suchen.
Ein erster Plan sah vor, zukünftige Scheunenfeste im Feuerwehrhaus und auf dem Platz davor, „dem Angerl", zu veranstalten. Dieser scheiterte am Einspruch des Bürgermeisters, der eine zu große Lärmbelästigung der umliegenden Bewohner, sowie Parkplatz- und Verkehrsprobleme befürchtete.

Die nächste, allerdings weit schwieriger zu verwirklichende und kostspieligere Variante war, ein geeignetes Grundstück zu finden und darauf ein zweckentsprechendes Gebäude auf eigene Kosten zu errichten. Der Umstand, daß zu dieser Zeit keine aufwendigen Ausgaben für Ausrüstung oder anderes zu tätigen waren und wir über Rücklagen aus den letzten Scheunenfesten verfügten, erleichterte uns die Entscheidung hiefür.
In dieser Situation bot sich überraschend eine Lösung an, indem die Pfarre Unterwaltersdorf der Feuerwehr vorschlug, die Veranstaltungsscheune in dem seit Jahrzehnten nicht mehr genützten Garten des Pfarrhauses zu errichten. Die Feuerwehr nahm das Angebot an. Das Projekt Feuerwehrscheune konnte somit konkrete Formen annehmen. Mit der Erzdiözese Wien wurde ein für beide Seiten zufriedenstellender Pachtvertrag erarbeitet und rechtskräftig gemacht. Bedenken des Bundesdenkmalamtes bezüglich historischer Objekte im Boden dieses Areals konnten durch eine aufwendige, ca. 100 Meter lange Probegrabung ausgeräumt werden. Die Bauplanung war bis ins Detail fertiggestellt. Auch kleinere Vorarbeiten wurden von uns schon durchgeführt.
Leider wurden in dieser Phase der Feuerwehr massive Schwierigkeiten gegen die Errichtung dieses Baus bereitet, und das von Seiten, wo solches nicht zu erwarten war. Unter diesen Umständen verzichtete die Feuerwehr trotz des bereits investierten Aufwandes darauf, das Projekt weiter zu verfolgen.
Aber bald nach diesem Rückschlag konnte ein vollwertiger Ersatz gefunden werden : Der heutige Standort an der Brodersdorferstraße. Auf diesem der Stadtgemeinde gehörenden Grundstück mit einer Größe von ca. 6500 m2 bot sich der Feuerwehr die Möglichkeit, ein Gebäude zu errichten, in dem zukünftige Scheunenfeste veranstaltet werden können. Das Grundstück ist und bleibt Eigentum der Stadtgemeinde Ebreichsdorf, wurde aber laut Gemeinderatsbeschluß vom 26. Jänner 2005 an die FF Unterwaltersdorf verpachtet, die kraft eines Baurechtsvertrages ( Gemeinderatsbeschluß vom 4. Oktober 2006 ) dort ihr Bauprojekt verwirklichen konnte.
Im Rahmen der Florianifeier am 7. Mai 2005 am Platz vor dem Pfarrhaus informierte die Feuerwehr erstmals öffentlich die Bevölkerung über das Bauvorhaben. Dabei wurde auch ein symbolischer Spatenstich getan und in den Grundstein des zukünftigen Baus wurde eine entsprechende Urkunde nebst weiteren Schriftstücken und Geldmünzen eingeschlossen. Das Projekt Feuerwehrscheune nahm zum zweiten Mal konkrete Formen an - diesmal endgültig.
Das Gebäude wurde nun mit der Erfahrung von bisher 30 Scheunenfesten geplant und auf eigene Kosten und mit der Leistung von vielen tausenden Arbeitsstunden der Feuerwehrmitglieder und weiteren freiwilligen Helfern errichtet. Weitere Faktoren zum Gelingen dieses Vorhabens waren die zahlreichen großzügigen Hilfestellungen durch gratis erbrachte Leistungen vieler Firmen aus Unterwaltersdorf, aber auch aus den umgebenden Ortschaften, ebenso die großzügigen Konditionen jener Firmen, deren Leistungen wir trotz aller Eigenleistung in Anspruch nehmen mußten. Seitens der Bevölkerung gab es Geld- und Sachspenden, letztere besonders durch selbstloses Bereitstellen von Mittagsmenüs an den Arbeitstagen für alle an der Baustelle Mitwirkenden. Dankenswerter Weise hat uns auch die Stadtgemeinde mit einem beachtlichen Beitrag unterstützt durch Zurverfügungstellen von Arbeitsleistungen, LKW´s, verschiedenen Materialien und nicht zuletzt finanzieller Mittel.
Bereits im Vorfeld der Bauphase hatten Feuerwehrmänner beim Abbruch des Gutshofes und beim Abbruch der Fabriksanlage Gubik im Einvernehmen mit den Eigentümern beachtliche Mengen an Baumaterialien für die Errichtung der Feuerwehrscheune sicherstellen können, ebenso beim Abbruch eines Baumarktgebäudes in Münchendorf. Von einer Baufirma erhielten wir Material für die Einrichtung unserer Baustelle als Gegenleistung für die Wasserversorgung ihrer in der Nähe gelegenen Baustelle mittels unseres Tanklöschfahrzeuges. All dies waren Voraussetzungen dafür, die Baukosten so ausnehmend niedrig halten zu können. Mit Stand vom 31. Dezember 2006 betrugen diese 210.000,- €. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus Spenden der Bevölkerung in Höhe von 17.000,- €, Zuschüße der Stadtgemeinde mit 20.000,- € für den Innenverputz und einer Ersatzzahlung von 3.600,- € für den von uns selbst errichteten Löschwasserbrunnen, einer Subvention des Landes Niederösterreich in Höhe von 35.000,- € und den von uns selbst aufgebrachten Betrag von 134.400,- €.


All dies hat es ermöglicht, daß das Bauwerk innerhalb eines Jahres, nämlich von Mai 2005 bis Mai 2006, errichtet werden konnte. Was zur endgültigen Fertigstellung noch fehlt, ist vor allem der Estrich in der Veranstaltungshalle und im Küchen/Schankraum, die Wärmedämmung des Daches im Küchen/Schankraum, die gesamte Heizung, die gesamte Außenfassade und eine Menge an kleineren Fertigstellungen. Dies soll schrittweise nach unseren finanziellen Möglichkeiten erledigt werden.
Bei der Eröffnungsfeier am 20.Mai 2006 konnte die bis dahin weitgehend fertiggestellte Scheune der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das war natürlich ein großer Tag für die Feuerwehr Unterwaltersdorf, gleichzeitig eine nachgeholte Florianifeier und gleichzeitig die Gelegenheit allen Helfern und Unterstützern zu danken. Zugleich war die daran anschließende Tanzveranstaltung ein Probegalopp für die Durchführung der zukünftigen Scheunenfeste.
Dieser neuerrichtete Gebäudekomplex hat eine verbaute Grundfläche von ca. 960 m2. Die eigentliche Veranstaltungshalle umfaßt eine Grundfläche von 540 m2, der links daran anschließende Küchen- und Schankraum 188 m2 und der rechtsseitig anschließende Barraum bietet eine Theke mit 17 Meter Länge. Besucher betreten die Halle durch einen geräumigen Vorraum, an dem sich auch die großzügig angelegten Besucher-WC´s anschließen. Für die jeweilige Musikband sind ein Personal- und Sanitärräume vorhanden, ebenso ein Personal- und Sanitärräume für alle Mitarbeiter. Weiters beinhaltet das Gebäude einen Büroraum und einige kleine Räume für diverse Lagerungen und für die Hausinstallationen. Am Areal stehen noch kleine Nebenbauten, die die Anlage vervollständigen.
Zwei an das Hauptgebäude angebaute Flugdächer und die großzügig angelegten Rasenflächen laden zum Aufenthalt im Freien ein. Dabei werden die in die Rasenanlage gepflanzten Bäume sehr bald Schattenspender sein.
Festgehalten sei, daß alle auf dem Grundstück befindlichen Gebäude, Verkaufsanlagen, Inneneinrichtungen, Küchenanlagen, Schankanlagen und alle weiteren Gerätschaften sich im Besitz der Feuerwehr befinden. Es gibt dazu keinerlei Mitbesitzer, Dauermieter, Nutzungs-Vertragspartner oder dergleichen.
Das erste dort veranstaltete Scheunenfest im Juli 2006 knüpfte nahtlos an die 30 vorhergehenden an. Nicht nur, daß die Besucherzahlen dieselben waren wie in den letzten Jahren, hat die neue Festscheune alle großen Erwartungen erfüllt, die wir in diese gesetzt hatten.


Der erste dort erzielte Gewinn wurde bereits wieder in die laufenden Kosten des Dienstbetriebes der Feuerwehr investiert.
Wir hatten auch bereits eine Gastveranstaltung in diesem Haus. Die Theatergruppe Ebreichsdorf, die seit einigen Jahren keine Möglichkeit mehr hatte, Aufführungen zu inszenieren, gab hier im Dezember desselben Jahres zwei Vorstellungen, die mit sehr guten Besuch belohnt wurden. Damit zeigte sich schon, daß dieses Haus nicht nur für Feuerwehrfeste zugeschnitten, sondern sehr wohl geeignet ist, auch andere Veranstaltungen zu beherbergen.
Sollte ein Mieter unserer Festscheune dort Veranstaltungen planen und dabei auch gastronomisch aktiv werden wollen, so steht es ihm frei, Küche und Schank selbst zu benützen oder einen Gastronomiebetrieb seiner Wahl mitzubringen.
Nicht nur, daß die Feuerwehr Unterwaltersdorf schon durch ihre bisherigen Scheunenfeste die Veranstaltungsszene nicht unwesentlich geprägt hat, könnten die Möglichkeiten, die die neue Feuerwehrscheune bietet, für die Stadtgemeinde im kulturellen Bereich neue Perspektiven aufzeigen.

Mit der Errichtung dieses Gebäudes hat sich die Freiwillige Feuerwehr Unterwaltersdorf auf Jahrzehnte hinaus eine Möglichkeit geschaffen, ihre finanziellen Belange aus eigener Kraft auf eine breitere Basis zu stellen. Weiters stellt dieses Bauwerk in der 133-jährigen Geschichte dieser Feuerwehr einen wirklich markanten Meilenstein dar und es wird nicht zuletzt auch in der Geschichte von Unterwaltersdorf eine Besonderheit darstellen.


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